Ist die Zukunft phantastisch!? – Ein Interview mit Guido Latz

Im Vorwort zur Ausgabe 46 verabschiedete sich Achim Havemann als Herausgeber von den Lesern des Magazins phantastisch!, das seit Januar 2001 alle drei Monate erscheint und sich der Science Fiction, aber auch anderen Facetten des phantastischen Genres widmet (wir berichteten). »Ab Ausgabe 47, die im Juli 2012 erscheinen wird, ist der Atlantis Verlag von Guido Latz neuer Herausgeber von phantastisch!. (…) Ich glaube, dass phantastisch! bei Guido Latz in guten Händen sein wird.«
Guido Latz dürfte vielen bislang vor allem als äußerst rühriger Verleger des Atlantis-Verlages bekannt sein – Grund genug also für uns, ihn in einem Interview zur Zukunft des Magazins phantastisch! zu befragen.

Hallo Guido, der Atlantis Verlag ist mittlerweile eine feste Größe in der Kleinverlagsszene. Wie bist Du eigentlich auf die Idee gekommen, einen Verlag zu gründen?

Der Übergang vom »Fan-Verlag« Ende der 90er Jahre (damals hieß der Verlag noch Arkham Press) zum Atlantis Verlag verlief, wenn ich das richtig im Kopf habe, schleichend. Grob festmachen kann man das wohl am Wechsel vom Kopierverfahren (Heft) zum Digitaldruck (Paperback) und speziell an der SF-Serie »Rettungskreuzer Ikarus« und den ersten Titeln in der Allgemeinen Reihe, von denen zum Beispiel »Anam Cara – Seelenfreund« von Nicole Rensmann und »Fragmente« von Stefan T. Pinternagel heute noch lieferbar sind.

Was waren denn in der Verlagsgeschichte bislang die erfolgreichsten Publikationen?

Guido Latz: Das sind vor allem Science-Fiction-Titel, die »Kaiserkrieger«-Reihe von Dirk van den Boom, Siegfried Langers »Alles bleibt anders« und die Military-SF-Romane von Stefan Burban, um nur ein paar zu nennen. In Sachen Horror ist es Jack Ketchums Novelle »Die Schwestern«.

Der Atlantis-Verlag veröffentlicht seit geraumer Zeit auch alle Titel als E-Books. Ist das ein stabiles zweites Standbein zusätzlich zu den gedruckten Publikationen, oder ist das noch ein schwacher Markt?

Der eBook-Markt entwickelt sich für Atlantis zu mehr als einem zweiten Standbein. Zum einen ist es ein weiterer Vertriebsweg, zum anderen können wir über diesen »Umweg« auf die gedruckten Bücher aufmerksam machen.

phantastisch! verdankt seiner Entstehung dem Clubmagazin SOL der PERRY-RHODAN-Fanzentrale und erscheint nun auch schon bereits seit dem Januar 2001 alle drei Monate. Hand aufs Herz – seit wann bist Du Leser von phantastisch!?

Bei mir sind die Magazine kreuz und quer im Haus verteilt. Ich müsste also nachschauen. Und da zwischen dem Eintrudeln der Fragen und dem Finish des Interviews ein paar Tage vergingen, kann ich zumindest sagen, dass ich alle Ausgaben besitze, bis zur »Nullnummer« in der SOL damals. Ob ich die damals zum Zeitpunkt des Erscheinens gekauft habe oder eventuell zu einem späteren Zeitpunkt, das kann ich heute aber nicht mehr sagen.

Wie kam es zum Wechsel von phantastisch! zum Atlantis Verlag? Wer hat den Kontakt hergestellt?

Klaus Bollhöfener hat mich Mitte November des Vorjahres per Mail kontaktiert, ob ich mir vorstellen könnte, die phantastisch! zu übernehmen.

Hast Du lange überlegt, ob Du das Magazin in Dein Verlagsprogramm aufnehmen willst? Immerhin sind SF-Magazine in Deutschland ja nicht unbedingt Garanten für finanziellen Erfolg.

Eine Sekunde ist nicht lang, oder? Die Frage nach dem finanziellen Erfolg habe ich mir in dem Moment nicht gestellt, und sie steht im Moment auch nicht im Vordergrund. Was ich gesehen habe und sehe, ist eine Zeitschrift, die seit über zehn Jahren am Markt ist, die ich selbst gerne lese und die ich nicht missen möchte. Wenn sich eine Publikation so lange am Markt halten kann, dann bedeutet das schon etwas. Wenn eine solche Mail kommt, wie die von Klaus Bollhöfener, beginnt bei mir natürlich sofort im Hinterstübchen zu rattern, wo man zusätzlich ansetzen könnte.

Zwar wurde betont, dass es inhaltlich vorerst keine Änderungen an phantatisch! geben wird, aber gilt das auch für das äußere Erscheinungsbild? Gibt es ein neues Logo?

Titelbildentwurf für Ausgabe 47
Titelbildentwurf für die Ausgabe 47 des Magazins phantastisch!

Ab der kommenden Ausgabe wird sie komplett in Farbe sein. Das Logo bleibt aber – das hat sich eingebürgert, das wird nicht geändert.

Wäre auch eine elektronische Ausgabe in einem Format für Tablets denkbar?

Für die nächste Ausgabe trudeln gerade die letzten Beiträge ein, was Anfang Juli Stand der Sache sein wird, kann ich natürlich noch nicht versprechen. Wir arbeiten aber zum einen auf eine eBook-Ausgabe hin, zunächst fürs Kindle. Weitere Plattformen sind angedacht, da sich Amazon aber als wichtigste Plattform für eBooks entwickelt hat, hat das Kindle Vorrang. Ein Grund für die Umstellung auf Farbe ist aber auch, dass wir eine ePaper-Ausgabe anstreben, die findet man dann via Plattformen wie Presseportal.de und daran angeschlossene Shops/Anbieter, und da macht sich Farbe halt besser – zwei Vorlagen produzieren, einmal in schwarzweiß für die Printausgabe und einmal in Farbe für die digitale Ausgabe, wäre etwas zuviel des Guten gewesen.

Plant ihr darüber hinaus Änderungen?

Neben der Abo-Schiene und den digitalen Ausgaben planen wir in der Tat, den Vertrieb auszubauen. Wenn alles klappt, findet man die phantastisch! bereits ab der nächsten Ausgabe in den vom Freibeuter Vertrieb belieferten Bahnhöfen. Der Freibeuter Vertrieb vertreibt unter anderem die »Horrorschocker« und die Magazine »Xomic« und »Comixene«.

Dann steht unserem liebsten Magazin ja hoffentlich eine phantastische Zukunft bevor! Danke, Guido, für das Interview.



Und abschließend können wir hier bereits das Titelbild der Ausgabe 47 zeigen, die pünktlich im Juli 2012 erscheinen wird – nun allerdings im Atlantis-Verlag. Heftbestellungen und Abonnements können auch weiterhin online über die Website phantastisch.net durchgeführt werden. Der Atlantis-Verlag ist im Netz unter atlantis-verlag.de zu finden.

Titelbildentwurf für Ausgabe 47