Robert Silverberg – Die Jahre der Aliens

Die Jahre der Aliens, (c) Heyne

Heyne Verlag, 06/6358
Titel der Originalausgabe: »The Aliens Years« (1998)
aus dem Amerikanischen von Walter Brumm
Titelbild von Arndt Drechsler
München, August 2000, 18.90 DM, 594 Seiten

Robert Silverberg verfasste Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre innerhalb kurzer Zeit eine Reihe von SF-Romanen, die die Grenzen des Genres sprengten. Silverberg war zu einem der besten und literarischsten SF-Autoren gereift, und er schrieb beinahe ungebremst ein Meisterwerk nach dem anderen: „Der Gesang der Neuronen“ („Thorns“), „Kinder der Retorte“ („Tower of Glass“), „Es stirbt in mir“ („Dying Inside“), „Exil im Kosmos“ („The Man in the Maze“), „Bruderschaft der Unsterblichen“ („The Book of Skulls“) und andere.

Mitte der 70er Jahre hörte Silverberg enttäuscht von der fehlenden Resonanz mit dem Schreiben auf und erst 1980 begann er wieder neue Romane zu veröffentlichen. Diese späteren Werke waren aber leider oftmals nur noch reine Unterhaltungsromane, denen die psychologische und literarische Tiefe seiner früheren Texte fehlte.

„Die Jahre der Aliens“ entstand 1998 und erzählt die Geschichte einer Invasion durch Außerirdische. Nun mag sich das nicht sonderlich originell anhören, und in der Tat ist das ja auch einer der ältesten Plots der SF. Doch Silverbergs Aliens sind so fremd, und ihre Invasion so unverständlich, daß die Menschheit nur die Auswirkungen zu spüren bekommt – aber nie die Gründe erfährt. Und so wird in „Die Jahre der Aliens“ die Geschichte eines amerikanischen Familienclans erzählt, der sich von Anfang dem Widerstand gegen die fremden Besetzter verschreibt. Doch die Jahre vergehen, und es kann kein Erfolg gegen die Fremden erreicht werden. Und jeder erfolgversprechende Versuch wird grausam bestraft… Da ist es kein Wunder, daß sich Verzweiflung breitmacht und sich immer mehr Menschen mit den Besatzern arrangieren.

Robert Silverberg gelingt es mit „Die Jahre der Aliens“ tatsächlich beinahe an seine alte Höchstform anzuknüpfen. Denn obwohl er eine beinahe Heinlein’sche Konstellation schildert (ein Familienclan mit einem ur-amerikanischen Patriarchen an der Spitze), schafft er es besonders im zweiten Teil des Romans sich mehr und mehr auf die Charaktere und Personen zu konzentrieren. Amüsant ist dabei schon fast, daß sich schlußendlich eine Analogie zum Fall der Mauer und der Sowjetunion auftut und der Leser plötzlich feststellen muß, daß ihm dies alles sehr bekannt vorkommt…